02.06.2026 15:11 Chrigi
Unterwegs zum Nordkapp

Irgendwie haben wir es mit den Kreisen. Vom Wendekreis des Krebses reisen wir in den hohen Norden, passieren den Polarkreis und fahren weiter bis zum Nordkapp. Vor uns liegt eine fantastische Reise. Sie führt uns über 10`000 km durch 12 Länder.
Marokko liegt mittlerweile weit weg, trotzdem bleiben die Eindrücke an das Land tief in uns drin und unvergesslich. Von Dakhla sind wir aufgebrochen durch den Anti-Atlas bis nach Marrakesh, wo wir mit unserer Tochter und Silvanas Schwester fünf wunderbare Tage verbracht haben. Wir haben viel über die Stadt gehört und sie hat uns nicht enttäuscht. Trotz Ramadan ist einiges los, die Stadt pulsiert und an jeder Ecke können wir gefühlt 1000 Dinge kaufen. Wir erleben hier ein wildes, aber herzliches Chaos.
Die Reise führt uns weiter entlang der Atlantikküste über die eindrucksvolle Hauptstadt Rabat bis hoch nach Tanger, wo wir schweren Herzens die Fähre zurück nach Europa nehmen. Hier in Algeciras hat Ende Dezember bei sintflutartigen Regenfällen unser Marokko Abenteuer begonnen.
Zurück in Europa vermissen wir das herzliche "bonjour ça va". Dafür bekommen wir am Morgen ein ebenso freundliches spanisches buenos dias, ein portugiesisches bom dia oder ein simples bonjour in Frankreich.
Und wir arbeiten unsere bucket list ab. Die Route verläuft über Tarifa, Zahora, Algarve, Extremadura, Cabo Roca, Nazaré bis nach Santiago de Compostela und dann weiter entlang der galizischen Küste bis nach Asturien mit seinen Traumstränden. Wir sehen atemberaubende Landschaften, faszinierende Klippen und Strände, erleben einen kulinarischen Höhepunkt nach dem anderen (mit Ausnahme der miesen Miesmuscheln in Lagos) und sind einmal mehr sehr dankbar und glücklich über unser Nomadenleben. Auch jetzt bereuen wir immer noch keine Sekunde unseren Entscheid, vermissen nichts, haben alles was wir brauchen und freuen uns auf jeden Tag und jeden neuen Ort.
Nur das Wetter macht uns nicht wirklich happy. Obwohl wir im Süden sind, wird es nicht wirklich warm. Die Tage bleiben kühl und es regnet oft. Für uns thalassophile Menschen eigentlich grauenhaft. So brechen wir auf Richtung Schweiz zu Familie und Freunden, zudem braucht Bandit dringend ein paar notwendige Updates. Wir planen zwei bis drei Wochen Aufenthalt in unserer alten Heimat.
Über Saint Émilion, die bezaubernde Dordogne und Auvergne erreichen wir schliesslich Genf und unsere alte Heimat im Kanton Aargau, wo wir bei Freunden in Büblikon einen traumhaften, privaten Stellplatz mit Pool geniessen. Und auch das Wetter spielt plötzlich mit - 30 Grad sind angesagt in den nächsten Tagen.
Da müssen wir erst 17’000 Kilometer durch zwei Kontinente reisen und acht Monate im Süden verbringen - nur um dann in die Schweiz zurückzukehren und hier genau den Sommer und die Temperaturen zu erleben, die wir unterwegs so oft vermisst haben. Ironischer geht es wohl kaum. Aber klar nehmen wir das!
Und was soll ich sagen. In den acht Monaten, in denen wir unterwegs waren, hat sich nicht viel verändert. Für unsere Familie und Freunde ist dies natürlich etwas Schönes - es fühlt sich an, als wären wir nie weg gewesen, wäre alles einfach stehen geblieben und wir würden nahtlos wieder dazugehören.
Und doch merken wir, dass wir schnell wieder im alten Leben drin sind, welches wir hinter uns gelassen haben. Termine und Einladungen bestimmen unsere Tage und das Abenteuer weicht wieder der Routine. Trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - geniessen wir die Zeit mit unseren Liebsten und Freunden umso mehr. Die vielen Wiedersehen sind kostbar, herzlich, vertraut und warm, und wir sind dankbar für jeden einzelnen Moment, den wir mit allen verbringen dürfen.
Wir bleiben noch einige Tage hier und planen in Ruhe unsere Route Richtung Nordkapp. Bisher waren wir noch nicht oft im Norden unterwegs, umso mehr sind wir gespannt, was uns dort erwartet. Wir freuen uns, es wird cool werden, da haben wir keine Angst.
Und natürlich hoffen wir auf einen skandinavischen Traumsommer bei 30 Grad ohne Mücken.
Was noch nicht ist, kann ja noch werden.
in diesem Sinne - herzlich und bis zum nächsten Blog!
Chrigi & Silvana
