25.11.2025  13:13  Chrigi

Zwei Monate unterwegs - unser Fazit und Befinden

Seit zwei Monaten sind wir nun auf der Reise – und für uns hat damit ein völlig neues Leben begonnen. Es fühlt sich an, als wären wir schon viel länger unterwegs. In dieser kurzen Zeit haben wir so viele Eindrücke gesammelt und verarbeitet, dass uns keine Minute langweilig wurde. Und das Wichtigste: Wir bereuen unseren Schritt keine Sekunde. Vermissen tun wir nur unsere Liebsten, die gemeinsamen Momente mit Familie und Freunden. Der Abschied fiel uns schwer, doch gleichzeitig war er das Tor zu etwas Neuem – zu einer aufregenden, noch unbekannten Welt.

Natürlich haben wir mehr als einmal gezweifelt, ob es die richtige Entscheidung ist. Die letzten zwei Monate waren nicht immer einfach und nicht immer toll, aber für uns war es eindeutig die richtig Entscheidung!

Unser Leben auf 14 m² im Camper ist schlicht, aber wir haben alles, was wir brauchen: Wohn- und Essbereich, Küche, Dusche und Bad, ein Schrank mit ausreichend Platz, Heizung, einen Beamer mit Leinwand – und sogar unser eigenes WLAN mit unbegrenztem Datenvolumen in ganz Europa (ein Vodafone-Abo aus Italien für EUR 19.90/Monat). Der Camper ist längst unser Rückzugsort und unser Zuhause geworden. Wir sagen oft: «öises Dihei». Und mit unserem kleinen Suzuki Flitzer sind spontane Ausflüge und Touren jederzeit möglich – ohne ihn wäre vieles deutlich komplizierter oder schlicht nicht möglich. 

Größere Probleme, auch gesundheitliche, sind uns bisher erspart geblieben – abgesehen von der Maus im Haus, dem gewaschenen Router (aufmerksame Follower wissen Bescheid) und das wir einmal im Sand eingesoffen und nur dank Sandblechen und tatkräftiger Unterstützung wieder raus gekommen sind. Das ist gut so und darf gerne so bleiben. Denn wir merken, wie anders die Infrastruktur und der Alltag außerhalb der Schweiz funktionieren – und als Nomaden spüren wir das besonders. Man steigt nicht einfach ins Auto, fährt zum Jumbo, geht kurz zum Arzt oder erledigt schnell einen Einkauf. Jeder Tag bringt neue kleine Herausforderungen, aber inzwischen meistern wir sie mit Gelassenheit. 

Am schwierigsten ist für uns eigentlich nur die Routenplanung. Obwohl wir ein klares Ziel haben, stellt sich ständig die Frage: Wohin als Nächstes? Wo hat ein Campingplatz offen? Was können wir unterwegs unternehmen? Und ganz wichtig: Wie wird das Wetter? Bisher hatten wir Glück und fast immer Sonnenschein. Doch auch hier im Süden wird es früh dunkel, vieles ist um diese Jahreszeit geschlossen, die Temperaturen sinken unter 20 Grad und oft bläst ein kalter Wind. Trotzdem lässt es sich bei Sonnenschein und blauem Himmel wunderbar leben – und wir genießen das sehr. Selbst die Menüplanung, die anfangs durchaus für Diskussionen sorgte, geht uns mittlerweile leicht von der Hand. Wir haben uns zu kleinen Camping-Gourmets entwickelt, und es fehlt uns wirklich an nichts. Im Gegenteil: Wir staunen, wie viel frische und qualitativ hochwertige Lebensmittel es hier gibt – teils sogar besser als in der Schweiz. Wir haben sogar schon Raclette und einen fantastischen Wurst-Käse Salat gemacht.

Dieses Leben und das Reisen gefällt uns. Wir genießen das täglich Neue und Unbekannte. Wir stehen auf tollen und schönen Campingplätzen - manchmal direkt am Meer, sehen Orte und Landschaften, von denen wir früher nur gehört haben, erleben atemberaubende Sonnenuntergänge, entdecken kleine Dörfer, die uns verzaubern, und Landschaften, die uns jeden Tag aufs Neue zeigen, wie groß und schön die Welt ist. Wir treffen auf freundliche und hilfsbereite Menschen und wachen jeden Morgen (ohne Wecker) mit dem Gefühl auf, dass der Tag eine neue Geschichte bereithält – mal still und magisch, mal wild und ungeplant, mal voller kleiner Pannen und Ärgernissen.

Selbst von Weihnachten und Advent merken wir nicht viel. Ganz einfach weil wir nicht auf Schritt und Tritt von Weihnachtsbeleuchtung, Märkten, Weihnachtsdeko, Schnee und Kerzen umgeben sind. Es ist hier viel weniger ausgeprägter und ruhiger als in der Schweiz. Aber wenn es soweit ist, werden auch wir unseren Camper weihnachtlich schmücken. Das ist ein Muss, ganz ohne geht es wirklich nicht. Zudem ist es für uns zwei das erste Mal überhaupt, dass wir nicht "zu Hause" die Festtage verbringen - wir waren in all den 58 Jahren wirklich nie weg , sondern haben Weihnachten immer im Kreise der Familie bei uns zu Hause verbracht!

Italien, Frankreich, Andorra, Spanien! Nun geht es weiter Richtung Südspanien und danach – irgendwann in den kommenden Wochen und Monaten – zum ersten Mal auf den afrikanischen Kontinent, bis zum Wendekreis des Krebses in Marokko, nahe der Grenze zu Mauretanien.

Das Abenteuer hat gerade erst begonnen. Und wir sind bereit und freuen uns auf alles, was noch vor uns liegt!

Euch allen wünschen wir eine schöne und besinnliche Adventszeit!

Chrigi & Silvana